Am 22. Mai 1771
Daß das Leben des Menschen nur ein Traum sei, ist manchen schon so
vorgekommen, und auch mit mir zieht dieses Gefühl immer herum. Wenn ich
die Einschränkung ansehe, in welcher die tätigen und forschenden
Kräft des Menschen eingesperrt sind; wenn ich sehe, wie alle Wirksamkeit
darauf hinausläuft, sich die Befriedigung von Bedürfnissen zu
verschaffen, die wieder keinen Zweck haben, als unsere arme Existenz zu
verlängern, und dann, daß alle Beruhigung über gewissen Punkte
des Nachforschens nur eine träumende Resignation ist, da man sich die
Wände, zwischen denen man gefangen sitzt, mit bunten Gestalten und lichten
Aussichten bemahlt. - Das alles Wilhelm, macht mich stumm. Ich kehre in mich
selbst zurück und finde eine Welt: Wieder mehr in Ahnung und dunkler
Begier als in Darstellung und lebendiger Kraft. Und da schwimmt alles vor
meinen Sinnen, und ich lächle dann so träumend weiter in die
Welt. -Goethe, Die Leiden des jungen Werthers
Am 22. Mai 1771
Daß die Kinder nicht wissen, warum sie wollen, darin sind sich alle
hochgelehrten Schul- und Hofmeister eing; daß aber auch die Erwachsenen
gleich Kindern auf diesem Erdboden herumtaumeln, und wie jene nicht wissen
woher sie kommen und wohin sie gehen, ebensoweing nach wahren Zwecken handeln,
ebenso durch Biskuit und Kuchen und Birkenreiser regiert werden: das will
niemand gern glauben, und mich dünkt, man kann es mit Händen
greifen. Goethe, Die Leiden des jungen Werthers
Wenn ich die kurze Dauer meines Lebens betrachte, eingesogen in die Ewigkeit, die ihm vorausgeht und ihm folgt, den kleinen Raum, den ich erfülle, ja den ich erblicke, gestürzt in den Abgrund der unendlichen Unermeßlichkeit der Räume, von denen ich nichts weiß und die von mir nicht wissen, dann erschaudere ich und wundere mich darüber, mich eher hier zu sehen als dort; denn es gibt keinen Grund warum ich eher hier bin als dort, warum eher jetzt als dann: wer hat mich hier hingestellt? Auf wessen Geheiß und Führung sind dieser Ort und diese Zeit mir bestimmt worden? Memoria hospitis unius diei praetereuntis. -Blaise Pascal
Alles was unbegreiflich ist, läßt nicht ab zu sein. -Blaise Pascal
Die Geschichte: jene Mischung von Walzer und Schlachthof, jenes nacheinander falscher Verabsolutierungen. -E.M. Cioran
Wir wünschen die Wahrheit und finden in uns nur Ungewißheit. Wir suchen das Glück und finden nur Elend und Tod. Wir sind unfähig die Wahrheit und das Glück nicht zu wünschen, und sind weder der Gewißheit noch des Glückes fähig. Dieses Verlangen ist uns gelassen, sowohl um uns zu bestrafen, als auch um uns innewerden zu lassen, woraus wir gefallen sind. -Blaise Pascal
Nein, Madame, ich spiele nicht Bridge,
Sie müssen vergeben.
Ich vertreibe mir das Leben
Mit anderen Übeln.
Zum Beispiel, mit Grübeln
Über das Dasein.
Gewinnchancen: keine.
Auch ist es ein ungeselliges Spiel,
Man spielt es alleine.
-Mascha Kaleko
Er mußte wissen, daß es schon keine Hilfe mehr gab, daß er keine mehr wollte, nein: keine mehr wollen konnte. Denn sie hätte kommen müssen aus einem zu tiefen unerschwinglichen Grund: weil es Brämi gab; weil er da war; weil man ihn deswegen suchte, nicht etwa aus Erbarmen, Rücksicht, Respekt oder Angst. -Adolf Muschg, Brämis Aussicht
Die merkwürdige Eitelkeit des Menschen, die glauben will, und glauben läßt, er strebe nach Wahrheit, während er von dieser Welt Liebe verlangt. -Albert Camus, Tagebuch
Imzadi, the one who first touched my soul. -Deanna Troi, StarTrekTNG
Den 19.Julius 1771
Ich werde sie sehen! ruf ich morgens aus, wenn ich mich ermuntere und mit
aller Heiterkeit der schönen Sonne entgegenblicke: ich werde sie sehen!
Und da habe ich den ganzen Tag keinen Wunsch weiter. Alles, alles verschlingt
sich in dieser Aussicht. -Goethe, Die Leiden des jungen Werthers
Am 30. Oktober 1772
Wenn ich nicht schon hundertmal auf dem Punkte gestanden bin,
ihr um den Hals zu
fallen! Weiß der große Gott, wie einem das tut, so viel
Liebenswürdigkeit vor einem herumkreuzen zu sehen und nicht zugreifen zu
dürfen; und das Zugreifen ist doch der natürlichste Trieb der
Menschen. Greifen die Kinder nicht nach allem was ihnen in den Sinn fällt!
- Und ich? -Goethe, Die Leiden des jungen Werthers
Wem der große Wurf gelungen,
Eines Freundes Freund zu sein,
Wer ein holdes Weib errungen,
Mische seinen Jubel ein!
Ja - wer auch nur eine Seele
Sein nennt auf dem Erdenrund!
Und wer's nie gekonnt, der stehle
Weinend sich aus diesem Bund.
-Ode an die Freude, Beethoven, 9. Symphonie
So sehr sind wir gewöhnt, im Warten zu leben, auf die Zukunft oder ein Trugbild der Zukunft zu setzen, daß wir die Idee der Unsterblichkeit nur aus dem Bedürfniss geschaffen haben, eine ganze Ewigkeit lang zu warten. -E.M. Cioran
Der Mensch: Jene Mischung von Roboter und Laune, dieser in Phantome verliebte Staub. -E.M. Cioran
Wir träumen von Reisen durchs Weltall, ist denn das Weltall nicht in uns? Die Tiefen unseres Geistes kennen wir nicht. Nach innen geht der geheimnisvolle Weg. In uns oder nirgens ist die Ewigkeit mit ihren Welten, die Vergangenheit und Zukunft. -Novalis
Sternenmensch
Das Band der Farben in der Brust,
Die Sterne quellen aus dem Schopfe,
Begreife: Welt, das ist die Lust
Zu leben überm eignen Kopfe!
Den Brand der Sonnen in der Brust,
Kometen schweifen durch die Haare
Und Sterne ein gehäufter Wust.
Geteilt durch holden Raum ins Klare
Den Drang der Erden in der Brust,
Durch den wir um die Sonne fahren,
Der Mensch aus sich gelöst ist Lust
Und Ewigkeit trotz kurzen Jahren.
-Eduard Reinacher
Wir wollen Sternwein trinken,
Daß wir die Welt verstehn,
Tief unter uns versinken,
Hoch über uns vergehn.
Der Sternwein schäumt
In dunker Schale,
Von Leid erträumt;
O Sternenwein, umwalle
Mein Antlitz, tief zu sehn.
Aus deiner dunkeln Schale
Gib mir, mit vollem Schwalle,
Im hellen Rausch der Ewigkeit zu stehn!
-Eduard Reinacher
Das Bestreben, das Universum zu verstehen, hebt das menschliche Leben ein wenig über eine Farce hinaus und verleiht ihm einen Hauch von tragischer Würde. -Steven Weinberg
Je mehr der Mensch von der gesetzmäßigen Ordnung der Ereignisse durchdrungen ist, um so fester wird seine Überzeugung, daß neben dieser gesetzmäßigen Ordnung für andersartige Ursachen kein Platz ist. Er erkennt weder einen menschlichen noch einen göttlichen Willen als unabhängige Ursache von Naturereignissen an. -Albert Einstein
Worin besteht diese Menschlichkeit die sie (die Computer, Roboter; Anm.) nicht besitzen? Vielleicht ist sie tatsächlich nur die Verschmelzung zwischen Unlogik und jener Redlichkeit, jener Lauterkeit des Herzens und jenem primitiven moralischen Instinkt, der die entfernteren Glieder der Ursache-Wirkung Kette nicht mehr erfaßt. Da also Rechenmaschinen nicht redlich und nicht unlogisch sind, so ist andererseits die Menschlichkeit, also die Summe all unserer Defekte, unserer Mängel eben unsere Unvollkommenheit. Sie ist das was wir sein möchten und nicht sein können, das was wir nciht vermögen, wozu wir nicht imstande sind. Sie ist einfach die Kluft zwischen unseren Idealen und ihrer Verwirklichung. -Stanislaw Lem, die Verhandliung
Bewußtsein ist jenes Merkmal eines Systems, das man erkennt, wenn man selbst jenes System ist. -Stanislaw Lem
Ich glaube an Spinozas Gott, der sich in der Harmonie des Seienden offenbart. Jene mit tiefem Gefühl verbundene Überzeugung von einer überlegenen Vernunft, die sich in der erfahrbaren Welt offenbart, bildet meinen Gottesbegriff. Man kann ihn also in der üblichen Ausdrucksweise als 'pantheistisch' bezeichnen. -Albert Einstein
Der alte Bund ist zerbrochen; der Mensch weiß endlich, daß er in der teilnahmslosen Unermeßlichkeit des Universum allein ist, aus dem er zufällig hervortrag. Nicht nur sein Los, auch seine Pflicht steht nirgendwo geschrieben. Es ist an ihm, zwischen dem Reich und der Finsternis zu wählen. -Jacques Monod, Zufall und Notwendigkeit
Ich wünsche wie die meisten Menschen, daß unerschütterliche Wahrheiten existieren, daß nicht alles durch den Einfluß der historischen Zeit erodiert würde, daß irgendwelche ewigen, wesentlichen Feststellungen existieren, und sei es auch nur im Bereich der Werte denen der Mensch huldigt, der grundlegenden Werte etc.. Man kann es kurz fassen: Ich dürste nach dem Absoluten. Aber gleichzeitig hege ich die tiefe Überzeugung, daß es nichts Absolutes gibt, daß alles historisch ist, daß man sich der Geschichte nicht entziehen kann. -Stanislaw Lem
Wenn in den Aussagen kein Halt ist, wenn alles in Anderssein, Gegensatz, Widerspruch sich auflöst, wenn alle Bestimmungen verschwinden, keine Position bleibt, dann bedeutet das am Ende entweder das Auftreten des Nichts oder das Fühlbarwerden eines eigentliche Seins, wenn dieses auch nicht mehr nur Sein genannt werden kann. Anders formuliert: Am Ende steht entweder ein spielerisches Interesse an "Problemen" oder eine Seelenverfassung, die in sochen Mitteln einen der Wege zum Selbstverständnis und zum Sichselbsthervorbringen findet, eine Seelenverfassung, wollkommener Weltüberlegenheit, vollkommener Distanz zu allen Dingen und zum eigenen Dasein und damit vollkommmener Selbstüberlegenheit. -Karl Jaspers
Die weiße Kreide in meiner Hand,
meine Herren, besteht,
wie Sie wissen, aus Molekülen.
Die Moleküle bestehen aus Partikeln,
Ladung, Masse, Strangeness und Spin: Spuren, die sich auflösen
in der Blasenkammer
und verschwinden, in meiner Hand,
in diesen endlosen Formeln,
die Sie kennen oder nicht kennen,
meine Herren, und die ich hier
an die schwarze Wand zeichne
mit Kreide, mit Kreide, mit Kreide.
nach Hermann Weyl
Da Psyche und Materie in ein und derselben Welt enthalten sind, überdies miteinander in beständiger Berührung stehen und schließlich beide auf unanschaulichen transzendentalen Faktoren beruhen, so besteht nicht nur die Möglichkeit, sondern sogar auch eine gewisse Wahrscheinlichkeit, daß Materie und Psyche zwei verschiedene Aspekte einer und derselben Sache sind. -C.G. Jung
Spinoza sagt, daß der durch einen Stoß in die Luft fliegende Stein, wenn er Bewußtsein hätte, meinen würde, aus seinem eigenen Willen zu fliegen. Ich setzte nur noch hinzu, daß der Stein recht hätte. -Arthur Schopenhauer
Der wahre Wert eines Menschen ist in erster Linie dadurch bestimmt, in welchem Grad und in welchem Sinn er zur Befreiung vom Ich gelangt ist. -Albert Einstein
Wie sehr beschränkt und dürftig der normale menschliche Intellekt sei und wie gering die Klarheit des Bewußtseins, läßt sich daran ermessen, daß, ungeachtet der ephemeren Kürze des in endlose Zeit hineingeworfenen Menschenlebens, der Mißlichkeit unseres Daseins, der zahllosen sich überall aufdringenden Rätsel, des bedeutsamen Charakters so vieler Erscheinungen und dabei des durchweg Ungenügenden des Lebens - dennoch nicht alle beständig und unablässig philosophieren, ja nicht einmal viele, oder auch nur einige, nur wenige; nein nur hin und wieder einer, nur die gänzliche Ausnahme. -Arthur Schopenhauer
Auch das Schöne muß sterben! Das Menschen und Götter bezwinget,
Nicht die eheren Brust rührt es des stygischen Zeus.
Einmal nur erweichte die Liebe den Schattenbeherrscher,
Und an der Schwelle noch, streng, rief er zurück sein Geschenk.
Nicht stillt Aphrodite dem schönen Knaben die Wunde,
Die in den zierlichen Leib grausam der Eber geritzt.
Nicht errettet den göttlichen Held die unsterbliche Mutter,
Wenn er, am skäischen Tor fallend, sein Schicksal erfüllt.
Aber sie steigt aus dem Meer, mit allen Töchtern des Nereus,
Und die Klage hebt an um den verherrlichten Sohn.
Sieh, da weinen die Götter, es weinen die Göttinnen alle,
Daß das Schöne vergeht, daß das vollkommene stirbt.
Auch ein Klaglied zu sein im Mund der Geliebten, ist herrlich,
Denn das Gemeine geht klanglos zum Orkus hinab.
-Friedrich Schiller
Hyperions Schicksalslied
Ihr wandelt droben im Licht
Auf weichem Boden, selige Genien!
Glänzende Götterlüfte
Rühren euch leicht,
Wie die Finger der Künstlerin
Heilige Saiten.
Schicksallos, wie der schlafende
Säugling, atmen die Himmlischen;
Keusch bewahrt
In bescheidener Knospe,
Blühet ewig
Ihnen der Geist,
Und die seligen Augen
Blicken in stiller
Ewiger Klarheit.
Doch uns ist gegeben,
Auf keiner Stätte zu ruhen,
Es schwinden, es fallen
Die leidenden Menschen
Blindlings von einer
Stunde zur andern,
Wie Wasser von Klippe
Zu Klippe geworfen,
Jahr lang ins Ungewisse hinab.
-Friedrich Hölderlin
Neue Welt
und es hängt, ein ehern Gewölbe
der Himmel über uns, es lähmt Fluch
die Glieder den Menschen, und die stärkenden, die erfreuenden
Gaben der Erde sind, wie Spreu, es
spottet unser, mit ihren Geschenken, die Mutter
und alles ist Schein -
O wann, wann
schon öffnet sie sich
die Flut über die Dürre
Aber wo ist er
Daß er beschwöre den lebendigen Geist
Friedrich Hölderlin, Der Tod des Empedokles, Entwurf zum Schlußchor des ersten Aktes der dritten Fassung
Empedokles
Das Leben suchst du, suchst, und es quillt und glänzt
Ein göttlich Feuer tief aus der Erde dir,
Und du in schauderndem Verlangen
Wirfst dich hinab, in des Aetna Flammen.
So schmelzt' im Weine Perlen der Übermut
Der Königin; und mochte sie doch! Hättest du
Nur deinen Reichtum nicht, o Dichter,
Hin in den gärenden Kelch geopfert!
Doch heilg bist du mir, wir der Erde Macht,
Die dich hinwegnahm, kühner Getöteter!
Und folgen möcht ich in die Tiefe,
Hielte die Liebe mich nicht, dem Helden.
-Friedrich Hölderlin
Meine Gefängniszelle - meine Festung.
Der Kampf mit der Zellenwand. Unentschieden.
Ich muß nicht mehr zurück, die Zelle ist gesprengt,
ich bewege mich, ich spüre meinen Körper
Nichts hält mich. Türen und Fenster auf.
Terassen weit und leer.
-Franz Kafka
Nur die nächste Nähe konnte sie beruhigen, aber auch völlig beruhigen, und diese Nähe war genug; nicht eines Blickes, nicht eines Wortes, keiner Gebärde, keiner Berührung bedurfte es, nur des reinen Zusammenseins. Dann waren es nicht zwei Menschen, es war nur ein Mensch im bewußtlosen vollkommenen Behagen, mit sich selbst zufrieden und mit der Welt. Das Leben war ihnen ein Rätsel, dessen Auflösung sie nur miteinander fanden. -Goethe, Wahlverwandtschaften
Erinnerst Du Dich unserer ungestörten Stunden, wo wir und nur wir um einander waren? Das war Triumpf! Beide so frei und stolz und wach und blühend und glänzend an Seel und Herz und Aug und Angesicht, und beide so in himmlischem Frieden neben einander! Ich hab es damals schon geahndet und gesagt: man könnte wohl die Welt durchwandern und fände es schwerlich wieder so. Und täglich fühl ich das ernster. -Friedrich Hölderlin, Brief ans Susette Contard
Wir werden einander nie fremd werden, keiner wird je vergebens an den anderen appellieren und nichts wird dieser Allianz den Rang ablaufen; aber sie darf weder in Zwang noch in Gewohnheit ausarten. -Simone de Beauvoir über ihre Beziehung zu Jean-Paul Sartre
In unseren besten Augenblicken, wenn vor lauter Gelingen auch das energischste Tun im Lassen aufgeht und die Rhythmik des Lebendigen spontan uns trägt, kann sich der Mut plözlich melden wie eine euphorische Klarheit oder ein wunderbar in sich gelassener Ernst. Er weckt in uns die Gegenwart. In ihr steigt die Wachheit mit einem Mal auf die Höhe des Seins. Kühl und hell betritt jeder Augenblick deinen Raum; du bist von seiner Helle, seiner Kühle, seinem Jubel nicht verschieden. Schlechte Erfahrungen weichen zurück vor den neuen Gelegenheiten. Keine Geschichte macht dich alt. Die Lieblosigkeiten von gestern zwingen zu nichts. Im Licht solcher Geistesgegenwart ist der Bann der Wiederholung gebrochen. Jede bewußte Sekunde tilgt das hoffnungslose Gewesene und wird zur ersten einer Anderen Geschichte. -Peter Sloterdijk, Die Kritik der zynischen Vernunft
Die erste Tasse netzt mir Lippen und Kehle.
Die zweite verscheucht meine Einsamkeit,
Die dritte durchdringt mein unfruchtbares Inneres, -
Tausend Traumbilder steigen aus ihm empor.
Die vierte Tasse erregt einen leichten Schweiß, -
Alles Schlechte des Lebens schwindet durch meine Poren dahin.
Bei der fünften Tasse bin ich geläutert;
Die sechste ruft mich ins Reich des Unvergänglichen.
Die siebte Tasse, - ah, aber ich kann nicht weitertrinken.
Ich fühle nur einen kühlenden Windhauch,
Der sich in meinen Ärmeln fängt. - Der Horaisan, wo ist er?
Laßt mich in diesem lieblichen Windhauch segeln
Und dorthin schweben.
-Lo-Tung, Dichter der T'ang Dynastie
For me there is only the travelling on paths that have heart, on any path that may have heart. There I travel, and the only worth-while challenge is to traverse its full length. And there I travel looking, looking, breathlessly. -Carlos Castaneda, The Teachings of Don Juan
Ich verlange in allem Leben, Möglichkeit des Daseins, und dann ist's gut. Wir haben dann nicht zu fragen, ob es schön, ob es hässlich ist. Das Gefühl, daß was geschaffen sei, Leben habe, stehe über diesen beiden und sei das einzige Kriterium in Kunstsachen. -Georg Büchner
Warum reisen wir? Auch dies, damit wir Menschen begegen, die nicht meinen, daß sie uns kennen ein für allemal; damit wir noch einmal erfahren, was uns in diesem Leben möglich sei - Es ist ohnehin schon wenig genug. -Max Frisch, Tagebuch 1946-1949